Aufruf: Kein Vergeben, kein Vergessen!

Am 08. Mai 1945 kapitulierte das deutsche Oberkommando bedingungslos. Damit war der 2. Weltkrieg – zumindest in Europa – beendet. Der Sieg der alliierten Kräfte über die deutschen Faschist*innen, deren Helfershelfer*innen und Verbündete ist ein Grund zum Feiern und Mahnen zugleich.

„Langsam müsse ja nun endlich mal gut sein“, ist eine Phrase, an der sich beispielhaft die Geschichtsvergessenheit der Masse zeigt. Zwar sind die Ereignisse entlang des 2. Weltkriegs umfassend dokumentiert, aber eine breite Auseinandersetzung mit den Ursachen und Hintergründen, der Entstehung einer faschistischen Massenbewegung sowie deren ideologischer Fundamente findet bis heute – wenn überhaupt – nur unzureichend statt. Dies bereitet den fruchtbaren Boden für einen gesellschaftlichen Diskurs, der es Menschen ermöglicht, deutsche Täter*innen zu Opfern zu stilisieren, jegliche Eigenverantwortung für Vergangenes und Zukünftiges von sich zu weisen und Debatten über das Fortbestehen ideologischer Fragmente des NS innerhalb der BRD zu unterbinden.

Grundlage für aktuelle Entwicklungen bildet ein Geschichtsverständnis á la Guido Knopp, das von Verantwortung nichts wissen will: „Aufarbeitung des Geschehenen“, bedeutet hier die Schuld am millionenfachen industriell organisierten Massenmord – den Nazis, also Hitler und „Hitlers Helfern“ zuzuschreiben und sich somit jeglicher Eigenverantwortung zu entziehen.

Aktuell zeigt sich wieder einmal die unverhüllte Fratze des „deutschen Wesens“ auf deutschen Straßen und in einem besorgniserregenden Rechtsruck in ganz Europa. Sie zeigt sich in jedem Anschlag auf Unterkünfte für Geflüchtete, in der Migrations-Debatte, in jeder Aktion und Demonstration gegen Schutzsuchende und – nicht zuletzt – in den jüngsten Wahlerfolgen der AfD.

Die breite Debatte, deren Grundtenor die Ablehnung alles Fremden zu Gunsten des eigenen „gesunden“ und homogenen Volkskörpers – der deutschen Nation – ist, beweist, dass die Ideen der Nationalsozialist*innen auch nach 71 Jahren noch Bestand haben: Wenn in aller Öffentlichkeit über die Internierung von Flüchtenden in Sammellagern diskutiert und die Exekution von illegalisierten Migrant*innen an den innereuropäischen Grenzen als ernsthafte Option diskutiert wird, beweist dies, dass das Menschenbild der Nazis in Teilen fortbesteht.

Wir nehmen daher den 8. Mai vor allem zum Anlass, um auf diese Verhältnisse hinzuweisen.
Wir wenden uns gegen eine revisionistische Erinnerungs- und Debattenkultur!
Gegen deutsche Opfermythen und Kontinuitäten!

Zu diesem Zweck schließen wir uns der Kundgebung des VVN-BdA an, die

Am Montag, den 09. Mai um 16:30 Uhr
am Mahnmal Gerichtsgefängnis Hannover

(Lister Meile, Ecke Hamburger Allee, neben dem Kulturzentrum Pavillon) stattfindet.

Wir rufen alle linken, linksradikalen und antifaschistischen Kräfte in und um Hannover dazu auf, sich daran zu beteiligen und somit deutschen Verhältnissen eine Absage zu erteilen!


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