Antwort auf HAGIDA-Aufruf der Universität

In der vergangenen Woche folgte die Leibniz Universität Hannover dem Beispiel des Bürgermeisters und seiner Getreuen und rief in einer E-Mail alle Studierenden dazu auf, sich an den Aktionen gegen die Rassist*innen von HAGIDA zu beteiligen. Und zwar ausdrücklich “ „-jede und jeder auf eine ihr oder ihm angemessene Art“.

Man muss auch mal loben können, denn in unseren Augen ist ein solches Statement seitens der Offiziellen der Universität durchaus zu begrüßen. Es darf jedoch nicht bei bloßen Lippenbekenntnissen bleiben. Es gilt weitere Baustellen anzugehen.

Wir dokumentieren nun hier unsere Antwort auf die E-Mail der Universität:

„Sehr geehrte Frau von Münchhausen, Sehr geehrte Unileitung, Sehr geehrte weitere Unterzeichnende,

auf dem Weg zur Blockade des Steintorplatzes haben wir vergangene Woche überrascht und mit Freude von ihrem Aufruf Kenntnis genommen. Überrascht deshalb, weil ein solches Statement vor über einem Jahr von unserer Universität bzw. ihrer damaligen Leitung, vermisst wurde. Sie werden sich an die Diskussionen und getätigten Aussagen damals sicherlich erinnern. Mit Freude deshalb, weil wir auf eben einen solchen Aufruf seitdem gewartet haben. So möchten wir an dieser Stelle das Pöbeln und Kritisieren lassen und uns für den Aufruf bei Ihnen bedanken.

Wir, das ist eine Gruppe von Studierenden der Hochschule und der LUH, die sich in Folge der Debatten rund um das sogenannte „Outing“ von Christina Krieger zusammengefunden hat. Derzeit arbeiten wir unter dem Namen „LUH_Contra“, was sich direkt auf bestehende Differenzen in Haltung und Wirken zu offiziellen Positionen der Universität bezieht. Im Gegensatz zu der Stellungnahme von Heiko Geiling zu den Vorfällen, sind wir beispielsweise der Auffassung, dass eine Universität sehr wohl „Ort weltanschaulicher Debatten“ sein kann und muss. Als öffentlicher Lebensraum ist die Universität nicht von Gesellschaft zu trennen, ist sie doch gewissermaßen ihr Abbild – ihr Spiegel.

Wir haben uns also „-jede und jeder auf eine ihr oder ihm angemessene Art – an den Aktionen“ beteiligt, so wie Sie es sich in Ihrer Mail gewünscht haben. Wir haben gemeinsam mit 2.500 weiteren Antirassist_innen den Steintorplatz – auf dem sich neben vielen verwirrten grauen Männern und Frauen auch bekannte, organisierte Neo-Nazis einfanden – blockiert.

Darunter, inmitten vermummter und gewaltbereiter Hooligans (aus deren Gruppe unter anderem ein Angriff auf einen Pressevertreter hervorging) auch eine bekannte Studierende unserer Universität. Sie war vor Ort, um ihren Rassismus im Deckmantel der Demokratie auf die Straße tragen zu können: Christina Krieger, NPD-Vorsitzende von Hannover, stand sich ebenfalls zwei Stunden in der Kälte die Füße auf dem Steintorplatz platt.

“ ‚In unserem Leitbild bekennt sich die Leibniz Universität Hannover dazu, „durch Lehre und Forschung dem friedlichen Zusammenleben der Menschen zu dienen und dazu beizutragen, die drängenden Fragen unserer Zeit zu beantworten. Dabei ist uns die Freiheit von Forschung und Lehre ein wertvolles Gut. (…) Dabei sind wir kritisch und konstruktiv und fördern Kreativität und Dialogfähigkeit als Voraussetzung für innovatives Handeln. Wir sind weltoffen und leben Internationalität (…)‘.

Die Diskussionen der letzten Wochen und Monate führen uns deutlich vor Augen, dass dies keine nichtssagenden oder selbstverständlichen Aussagen sind und sich offensichtlich im Widerspruch zum Denken und Reden allzu vieler Menschen in unserem Lande befinden.“

Für diese Worte können wir uns ebenfalls erst mal bedanken. Erst mal? Worte bringen nur dann etwas, wenn sie über ein bloßes Lippenbekenntnis hinausgehen. Eine erste Tat haben Sie mit dem Aufruf ja direkt folgen lassen, inwiefern weitere Taten folgen werden, liegt in Ihrer Hand.

Aufbauend auf diesem erwähnten Leitbild lässt sich ein Jahr nach vielen diskussionswürdigen Aktionen und Aussagen von Mitwirkenden der Universität versuchen, einen neuen Diskurs über den Umgang mit Nazis und Rassist_innen an unserer Uni und anderen Problemfeldern zu starten. Denn mit ihrer Teilnahme an den (‚leider‘ gescheiterten) Hagida- und Bragida-Demonstrationen hat Frau Krieger gezeigt, dass die von Ihnen getätigten Aussagen eben nicht selbstverständlich sind.

Wir werden im demnächst ein Positionspapier veröffentlichen, in welchem wir einige dieser Baustellen benennen werden, die es unserer Meinung nach anzugehen gilt. Wir werden Ihnen dieses selbstverständlich zukommen lassen.

Wir bleiben gespannt und zum Dialog bereit und hoffen auch morgen, auf dem Weg zum Opernplatz, eine derart freudige Nachricht von Ihnen in unseren Postfächern vorzufinden.

Mit antifaschistischen Grüßen,

LUH_Contra“

Christina Krieger auf der Hagida-Demo (12.01) http://recherche-nord.com/gallery/img/gallery/2015.01.12/006.JPG

Selbige auf der Bragida-Demo (19.01.)
http://recherche-nord.com/gallery/img/gallery/2015.01.19/017.JPG