Protokoll eines Seminars

Wie man sich fühlt, wenn ein Nazikader vor einem einen Inputvortrag hält, darüber haben wir heute einen anonymen Bericht erhalten, den wir Euch nicht vorenthalten möchten.

Protokoll eines Seminars

„Aufgeregt“ ist das falsche Wort. „Gespannt“ trifft wohl eher das Gefühl vor der gestrigen Sitzung des Seminars „Einführung in die Verwaltungsforschung“. Ich war gespannt. Nicht etwa, weil ich ein besonderes Interesse an der Thematik „Reformen der öffentlichen Verwaltung“ hatte, sondern vielmehr weil Christina Krieger das Input-Referat halten sollte. Christina Krieger stellte sich bereits in der Erstsemesterwoche als „National-Demokratin“ vor, kandidierte letztes Jahr für den Bundestag, steht auf Platz 7 der NPD-Europaliste und warb auch noch nach dem Verbot durch den Verfassungsschutz für die rechte Organisation „Besseres Hannover“ auf ihrer Facebook-Seite.

Nun konnte mensch also davon ausgehen, dass, wenn eine NPD-Spitzenfrau ein Referat hält, dieses besonders kritisch begleitet werden würde oder gar hinterfragt, ob es sinnvoll ist, ihr überhaupt so ein Forum zu bieten. Kritik äußerte aber lediglich die Gruppe LUH_Contra, die vor dem Veranstaltungsgebäude eine Kundgebung abhielt, zu der erfreulicherweise auch viele Angestellte des Instituts kamen.

In dem Seminarraum war es deutlich ruhiger. Gespannt und entspannt saßen die meisten meiner Kommiliton*innen schon auf ihren Plätzen. An dieser Haltung sollte sich in den darauf folgenden 90 Minuten kaum etwas ändern. Nachdem der Dozent den Raum betrat und die Studierenden kurz begrüßte, begann Christina ihr Referat. Während sie ihre Inhalte vermittelte, schrieben meine Kommiliton*innen fleißig mit. Schließlich steht nächste Woche die Klausur an. Währenddessen versuchte ich diese (für mich abstrakte) Situation in einem Facebook-Post darzustellen. In den Kommentaren fand ich die Haltung wieder, die ich auch einigen meiner Kommiliton*innen unterstellen würde:

  • „Ernsthaft, im Hörsaal geht es um Lerninhalte, nicht um Politik. Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung“
  • „Warum sollte sie nicht studieren dürfen wenn ein Anders Breivik das auch darf ? Nur weil dann das Klischee dumme Nazis nicht mehr passt ?“
  • Als ich diese Kommentare las, war das 10-minütige Referat bereits vorbei. Der Großteil der Studierenden klopfte auf die Tische.

    „Es geht ja um die Referatsleistung, nicht um sie als Person“,

    sagte ein Kommilitone, den ich darauf ansprach. Als im weiteren Verlauf der Veranstaltung eine Freundin auf das Klo ging, entdeckte sie, dass vor der Tür ein „Kein Bock auf Nazis“ Sperrband klebte. Sie duckte sich und ging durch die Tür. Als wenig später ein anderer Kommilitone hindurchging riss er es einfach ab. Kritik wurde in diesem Seminar nur einmal geäußert: Christina hatte einen Fehler im Literaturverzeichnis…

    Der- bzw. diejenige hat uns freundlicherweise seinen anonymisierten Facebookpost, inklusive Kommentare, zur Verfügung gestellt:

    Screenshot_facebook_Comments


    3 Antworten auf „Protokoll eines Seminars“


    1. 1 Lorenz 22. Januar 2014 um 23:34 Uhr

      Ich verstehe nicht wie man den Kommilitonen vorwerfen kann,
      nicht aktiv zu werden aber gleichzeitig ebenso da zu sitzen.
      Man kann dieser Frau die Grundrechte nicht einfach aberkennen. Solche Aktionen mit dem Sperrband und Plakaten finde ich toll!

    2. 2 RoteRose89 22. Januar 2014 um 23:58 Uhr

      Tut mir Leid wenn ich damit nun irgendwem auf die Füße trete aber ich halte den anonymen Verfasser des Facebookposts für absolut introllerant gegenüber anders Denkenden… Ohne ihn wirklich zu kennen kann ich mir wirklich gut vorstellen das er zu der Sorte Mensch gehört welche einfach alles daran setzt, dass jeder dasselbe Gedankengut hegt wie er selbst und darüberhinaus noch jemand ist der sich dafür schämt Deutscher zu sein. Lassen wir Cks Ansichten und Überzeugungen einfach mal in den Raum gestellt, ob richtig oder falsch ist für den Moment egal.
      Aber ganz gleich ob die Frau links,rechts,weiß,schwarz oder violett gestreift mit einem Adolf Hitler Tattoo auf der Stirn ist gibt ihm NICHTS auf der Welt das recht sie während eines Referates ohne politischen Hintergrund aufgrund Ihrer politischen Orientierung zu verurteilen. Nur weil jemand ein Problem mit Ausländern hat ist er kein schlechter Mensch solange er gewaltfrei handelt.

    3. 3 banban 24. Januar 2014 um 2:04 Uhr

      1. […] absolut introllerant gegenüber anders Denkenden […]
      2. […] darüberhinaus noch jemand ist, der sich dafür schämt Deutscher zu sein.
      3. Lassen wir CKs Ansichten und Überzeugungen einfach mal in den Raum gestellt, ob richtig oder falsch ist für den Moment egal.
      4. […] Nur weil jemand ein Problem mit Ausländern hat ist er kein schlechter Mensch […]

      1. Wenn hier jemand intolerant ist, dann sind das CK und ihre Gesinnungsgenoss_innen und zwar gegenüber allem, was nicht in ihr krudes völkisches Weltbild passt. Dieses nicht tolerieren zu wollen, zeugt keineswegs von Intoleranz – es ist nur menschlich und zeugt (im Gegenteil) von einem sozialen Gewissen. In einer idealen Gesellschaft hat ein solches Weltbild keinen Platz. Wer wirklich immer noch glaubt, es handele sich dabei um „Meinungen“, die eine Demokratie aushalten müsse, der/die hat sich – ganz offensichtlich – noch nicht genug damit auseinandergesetzt. Ich empfehle an der Stelle das ein oder andere Geschichtsbuch.

      2. Sich dafür zu schämen, deutsch zu sein, ist aus vielen Gründen nachvollziehbarer, als auf etwas stolz zu sein, wozu man selbst nichts beigetragen hat – deutsch zu sein zum Beispiel. Ich will hier nicht näher ins Detail gehen, empfehle aber wiederum das ein oder andere Geschichtsbuch – oder wahlweise eine aktuelle Tageszeitung, falls Geschichte nicht so Dein Ding ist?!

      3. Nein – verflucht! Das ist nicht egal! Weder für diesen Moment, noch für irgendeinen anderen Moment. Jemand, der/die solche Ansichten vertritt und dies auch noch öffentlich und mit Stolz, der/die hat jederzeit damit zu rechnen, dass er/sie damit konfrontiert wird. Punkt.

      4. Jemand der/die „ein Problem mit Ausländern hat“, ist zu allererst ein dummer Mensch. Der-/diejenige hat nämlich nicht verstanden, dass auch ein/e „Ausländer_in“ einfach nur ein Mensch und dessen Verhalten, Charakter etc. das alleinige Produkt der Umstände sind, in denen dieser Mensch aufgewachsen ist und sozialisiert wurde. Das hat aber ganz bestimmt rein gar nichts mit dessen Herkunft, dessen Hautfarbe, dessen Muttersprache oder der Nationalität zu tun, die in dessen Pass steht. Jemand, der/die aber zumindest nicht ganz dumm ist (und darauf lässt der Erwerb der allg. Hochschulreife schließen), der/die aber trotzdem derartige Hetze in Form von rassistischen Stereotypen verbreitet, der/die ist sehr wohl ein „schlechter Mensch“. Mit „Menschlichkeit“ (wie es so schön heißt) hat das nämlich nichts zu tun.

      4.1. Die Reduzierung der Politik von CK und ihrer Partei auf „nur weil jemand ein Problem mit Ausländern hat“, ist eine Verharmlosung, bei der mir fast die Spucke wegbleibt! Da hat sich wohl entweder (mal wieder) jemand nicht genug mit dem Problem auseinandergesetzt, iwas nicht richtig verstanden, oder sollte mal seine/ihre eigenen Gedanken und Ansichten zum Thema hinterfragen…

      …Den ganzen anderen Blödsinn, den Du da noch so schreibst, wie „ein Referat ohne politischen Hintergrund“ – in einem Politikwissenschaftlichen Seminar [sic!] – lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert. Die 428 Rechtschreibfehler darfst Du auch behalten.

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